Sallie Ford bringt Berlin den Frühling – Ein Konzert Review

Sallie-Ford-Soul-Sick

All jene, die am vergangenen Wochenende ihren Weg ins Badehaus gefunden hatten, konnten sie erleben: Sallie Ford. Der Konzertsaal war angefüllt mit den verschiedensten und wahrscheinlich fröhlichsten Bewohnern Berlins, denn es war der erste Tag im Jahr, der uns mit zehn wunderbaren Grad überrascht hatte. Ob das an Sallie Fords Auftritt gelegen hat? Wir meinen, dass das erste Eis, die herrliche Wärme und nicht zuletzt die sorglose, von Vorfreude und Euphorie beflügelte Stimmung im Badehaus mit Sicherheit Sallie Fords Werk gewesen waren.

Ohne Vorband dafür aber in Streetwear, Highwaist und dem sympathischsten Lachen aus Portland starteten Sallie Ford ihr Konzert mit einer kurzen Verzögerung, denn die Sängerin ließ es sich nicht nehmen sich zuvor noch bei einem Glas Wasser und in entspannter Badehaus-Manier etwas Small Talk mit ihrem Publikum zu betreiben. Dafür fing es mit Get Out gefolgt von Never und Romanticize jedoch sofort stimmgewaltig an. Sallie Ford spülte über das Publikum hinweg wie eine gewaltige, musikalisch unglaublich gewandte Welle an guter Laune und ausgezeichneter Musik, sodass man bereits ab den ersten Takten mittanzen musste. So erging es nicht nur uns sondern auch den übrigen Besuchern, die einen völlig bunt gewürfelten Mix der Berliner Szene darstellten und damit genau das wiederspiegelten, was Sallie Fords Musik ist.

Sallie Ford: Eine Hommage an die Wurzeln der Musik

Wäre Sallie Ford ein Instrument, so wäre sie eine der klassischen Fender-Gitarren: Schlicht, stark und so vielseitig wie der Auftritt, den sie uns im Badehaus geboten hat. Wenn man die zierliche Blondine mit dem langen Zopf, den abgetragenen Jeans und der Brille zum ersten Mal sieht, wagt man nicht anzunehmen, was alles in ihr steckt. Doch nicht nur Sallie überzeugte uns augenblicklich, sondern auch die Band, die sich um sie eingefunden hatte. Sei es das Drum-Solo bei Screw Up oder die basslastige Ballade Against The Law, das Setting stimmte vom ersten bis zum letzten Ton und zeigte uns, wie viel Liebe zum Detail nicht nur in Sallies schier locker gesungenen Oktavwechseln und Gitarrensolos sondern auch im Arrangement und insbesondere den sehr persönlichen, berührenden Texten Sallies steckt.

Berührende, rockige Lovesongs der etwas anderen Art

Wer Sallie Ford bereits kennt, weiß, wie viel ihr neues Album SOUL SICK (2017) von ihr preisgibt. Nicht nur das, er weiß auch, dass wir von ihr lernen können nicht aufzugeben, sondern aufzustehen und die Schwierigkeiten mit einem schiefen, trotzigen Lächeln zu umarmen wie bei They Told me, Danger und I Swear, die Sallie an diesem Abend ebenfalls performte und auch dabei ihre ganz eigene Magie frei ließ. Am Ende der Show blieb kein Gesicht starr, denn Sallie schaffte etwas, was den wenigsten gelingt: Sie zauberte uns allen ein unerschütterliches Lächeln auf die Lippen und entließ uns trotz all ihrer Energie, die sie in der Zugabe ein weiteres Mal über den Höhepunkt hinaus brachte, als sie zusammen mit ihrer Bassistin ins Publikum hinunter stieg und  ihr gewaltiges Solo spielte, in einen wunderschönen, warmen Abend mit dem guten Gefühl einer großartigen, fesselnden Inspiration.

 

Artikel von: Nina Zakrew

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