Niccolò Fabi im Privatclub – indieBerlin Konzert-Kritik

Niccolo Fabi live im Berliner Privatclub indieBerlin

Einsam in einer Hütte in der Nähe von Rom wurde Niccolò Fabis neues Album “Una somma di piccole cose” geschrieben. Mit einer sehr zurückhaltenden Instrumentierung rückt er mit seiner Musik auf seinem nun schon achten Studioalbum so nah an die Definition eines Singer/Songwriters wie auf keinem anderen Album zuvor.

Dass der bisher schon immer bei ihm stark vertretene Pop nicht hinten runterfällt, beweist die erstmalige Nummer Eins Platzierung seines neuesten Werkes in den italienischen Albumcharts. Darüberhinaus wurde er sogar mit der
renommierten italienischen Targa Tenco Auszeichnung für das beste Album 2016 versehen.

Niccolo Fabi singt im Berliner Privatclub indieBerlin s/ w FotoÄtherische Atmosphäre im gut gefüllten Privatclub

Auf der anschließenden Tour wurde sein Neuling in den großen Konzertlocations Italiens präsentiert. Seine weitere Reise durch Europa führt ihn eher auf kleinere Bühnen und so steht Fabi nun im kompakten Privatclub mit spärlicher Beleuchtung und intimer Atmosphäre. Greifbar nah und direkt präsentiert sich Fabi an der Akustikgitarre mit zwei weiteren Musikern, welche ihn mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und wahlweise Piano unterstützen. Die drei Musiker haben sich in schwarze Sakkos geworfen, welche mit neonfarbenen Applikationen ausgestattet sind und unter Schwarzlicht die räumliche Orientierung in der anfänglich sehr ätherischen Atmosphäre gewährleisten. Jedoch tragen die Herrschaften allesamt unter ihren Sakkos T-Shirts von Pearl Jam, Rage Against the
Machine oder Iron Maiden, was die optische Präsentation wieder etwas auflockert.

Introvertierter Einstieg und begeistert mitsingendes Publikum

Niccolo Fabi auf der Bühne - indieBerlin PrivatclubDie ersten drei Songs stammen vom neuen Album und liefern einen introvertierten Einstieg mit bedeckter Dramatik. Dabei kommt aber nie das Verlangen auf, nach der Handbremse greifen zu wollen um sich zu versichern, dass es nicht einen Gang schneller gehen könnte.

In der Setlist landen fast alle der neuen Werke, welche sehr stimmungsvoll interpretiert werden. Es finden sich aber auch viele ältere Stücke, welche mehr nach vorne gehen und so für ausreichend Abwechslung sorgen.

Zum Beispiel “Vento d’Estate”, das Fabi im Original mit Max Gazzè zusammen gesungen hat und welches beim größtenteils italienischen Publikum als Höhepunkt des Konzertes gefeiert wird. Angesichts der mitsingenden Gäste ist sich Fabi sicher genug die Gelegenheit zu nutzen um das Publikum einzubinden und dirigiert ein Gesangssolo an die Zuschauer, welche begeistert mit einsteigen.

Bewunderung für sein italienische Publikum

Im Anschluss wird Niccolò Fabi sehr redsam und adressiert für den folgenden Song “Costruire” seine Worte explizit an die in Berlin lebenden Italiener. Er drückt seine Bewunderung für deren Kraft aus, ihre Heimat zu verlassen um ihr Leben an einem neuen Ort aufzubauen.

Niccolo Fabi Portrait live in Berlin indieBerlinFast wird er bei soviel Bewunderung etwas neidisch. Schließlich hätte er immer selbst gerne etwas derart Gewagtes probieren wollen. Letzlich gibt er dann aber auch zu, äußerst glücklich zu sein mit seiner Musik durch Europa touren zu können. In diesem Bewusstsein genießt er das Leben auf Tour. Am Ende des Konzertes bindet er passenderweise noch John Denvers “Take Me Home, Country Roads” ein und verabschiedet sich von seinem Publikum, welches das Konzert aus einer Mischung von intimen als auch von den Zuschauern freudig mitgesungenen Songs sichtlich genossen hat.

Review: Christoph Grzeschik, Fotos: Caterina Gili

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