Explosions in the sky Konzert im Huxley’s Neue Welt

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Art- und Post-Rock ist so eine Musik, die ich, wie die Klassik, bewundere, aber zu der mir doch der persönliche Zugang fehlt. Diese Musik versetzt einen in eine besondere Stimmung, besser: bringt einen durch verschiedene Stimmungen. Sie ist organisch, zieht nach links und rechts, oben und unten, in an- und absteigender Intensität. Man muss sich erstmal darauf einlassen, falls man Pink Floyd nicht schon mit der Muttermilch aufgesogen hat. Von einem der derzeit bekanntesten Vertreter des Genres hab ich mir am Montag die Ohren öffnen lassen.

Den Beginn dieses schönen Abends – ja, es war schön, so viel darf ich schon verraten – macht die schwedische Band Immanu El. Gegründet 2004 und neben Sigor Ròs auch maßgeblich von den sich noch Backstage tummelnden Explosions beeinflusst, hat es die Gruppe nach ausgedehnten Tourneen in aller Welt bereits selbst zu einiger Bekannt gebracht. Sie starten pünktlich um 20 Uhr in einer ordentlich gefüllten Halle.

Immanu El’s Lieder sind sphärisch, gleiten zumeist in langsamem Tempo dahin. Der satte Klang – teilweise fast zu laut abgemischt, fall es so etwas gibt – dringt wie dichter Nebel in jeden Winkel des Raums, die schönen Melodien von Claes Strängbergs hohem Gesang geben dem Ganzen eine folgbare Form. In dem gut 30-minütigen Set fehlt es mir zwar etwas an Spannung, an Abwechslung. Trotzdem machen die Schweden ihre Sache gut und bereiten dem heutigen Headliner sehr gut den Boden.

Explosionen im Himmel

Um kurz nach 21 Uhr betreten dann Explosions in the sky die Bühne. Unter Begeisterungswellen verneigen sie sich, applaudieren ihrerseits dem erwartungsvollen Publikum und stellen dann die Verstärker an, stimmen ihre Instrumente nach. Von Gitarrist Munaf Rayani gibt es noch eine kleine Begrüßung – auf Deutsch! – „Vielen Dank, dass ihr alle gekommen szeit. […] Wir szin Exschploszionen im Himmel.“

Und das bleiben dann für knapp anderthalb Stunden die letzten Worte. Jetzt gibt sich die Band ganz der Musik hin, spielt sich innerhalb kurzer Zeit in eine Art Trance – und nimmt uns gleich mit. Die Lieder gehen direkt ineinander über. Es gibt keine Pausen, die länger als ein paar Sekunden wären. Selbst die Instrumentwechsel erfolgen en passant. (Bis auf Schlagzeuger Chris Hrasky befinden sich die Bandmitglieder nämlich diesbezüglich in fast regelmäßiger Bewegung). Vorhin genannter Munaf Rayani gleitet von der Gitarre mal zum Keyboard, mal zur zusätzlichen Trommel, Mark Smith von der Gitarre zum Bass usw. Die klassische Rock-Kulisse wird ergänzt durch E-Drums, Effektgeräte und – unprätentiös und fast unbemerkt bei einem der ersten Stücke – einem Geigenbogen auf den E-Gitarrensaiten.

Leidenschaft und Perfektion

Unterstützt durch eine eindrucksvolle Lichtshow scheinen Explosions in the sky uns durch verschiedene Gefühlslagen zu spielen. Mal werden die Saiten kaum angespielt, kommen die Klänge zart wie ein Lufthauch, dann steigt die Intensität plötzlich an. Die Band beherrscht diese dramatischen Momente, weswegen ihre Kompositionen nicht zuletzt von Filmemachern hoch geschätzt werden. Bei einem der härteren Stücke, die Bühne in tiefrotem Licht, bangen die  Bandmitglieder ihre Köpfe wie bei einem Metal-Konzert, der Riff donnert – und vier Paar Hände klingen wie ein einzelnes. Die Präzision der Band ist immer wieder beeindruckend.

Der Sound ist sehr klar und kein Instrument tritt hinter dem anderen zurück. Chris Hrasky spielt im Akkord wirbelnde Schlagfolgen, bearbeitet auch gerne mal eine Minute lang nur eine Trommel seines Schlagzeugs. Es ist manchmal wie Marschmusik auf doppelter Geschwindigkeit, gleichbleibend, genau, hyptnotisierend. Als ihm während eines Stücks eine kurze Verschnaufpause gegönnt ist, trinkt er eine Plastikflasche Wasser in einem Zug.

Zugabe war schon

Nach 80, 85 intensiven Minuten, gekrönt von drei älteren Liedern der Band, die vom Publikum besonders gut aufgenommen werden, endet das Konzert dann beinah abrupt – ohne den großen, ansteigenden, finalen Wirbel. Explosions enden trocken auf einer Note und dann ist es vorbei, als hätte jemand den Stecker gezogen. Unter großem Applaus verneigen sie sich und verlassen mit mehrmaligem Dankeschön die Bühne – Zugabe war schon.

Es ist eine besondere Art Musik, in der sich andere Zuschauer sicher mehr haben treiben lassen können als ich. Aber Explosions in the sky, geerdet und sympathisch, erzeugen auf der Bühne einen Sog, dem man sich wirklich kaum entziehen kann.

Came to this world as a boy in the year of the Wheel of fortune. First discovered music through MTV and had a hard time when they went from music videos to ringtones and dating shows. I was part of the "Nu Metal generation", if you want to call it that, and am still in love with riffs and beats, although the Fred Durst days are far behind me (and everyone). Discovered poetry through music and went on to release a volume of poems myself in 2015. Happy to be part of the indieberlin crew since april 2016, thanks to a certain bookseller and music nerd who wouldn't like to be mentioned here.

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