Konzertreview Max Paul Maria

 

Ein gut gelaunter Max Paul Maria erwartete uns an einem verschlafenen Sonntagabend im Musik&Frieden und bewies, dass auch ein Berliner Sonntag ein aufregender musikalischer Trip hinaus in die Welt sein kann.

Zusammen mit seiner Band brachte Max Paul Maria den kleinen Saal hinaus auf die Straße und hinein in eine Welt aus Roadtrip-Romantik, Wehmut und der einen kleinen Fröhlichkeit, die alle anderen überstimmt: Lebendigkeit.

Bereits die Vorband des Abends konnte mit Johanna Amelie nicht besser gewählt sein, denn die beiden jungen Damen fesselten das ausgewählte Publikum schon mit den ersten Zeilen ihres puristischen und doch stimmgewaltigen Auftrittes mit dem Flair einer Wye Oak. Es war eine gelungenes, schönes Intro in Max Paul Marias Welt und eine der wenigen Vorbands, die sich nahtlos in das Konzept das Mainacts einfügen lassen können, was zeigt wie detailverliebt und gut vorbereitet der Auftritt eines Ausnahmekünstlers wie Max Paul Maria ist.

Wohnzimmerstimmung mit Roadtrip-Feeling, Zigaretten und Jack Daniels

Die Atmosphäre im Raum wandelt sich vom verträumten Zuhörer hin zum geselligen Abenteuerlustigen, als ein lächelnder Max Paul Maria zusammen mit seiner Band die Bühne betrat und pünktlich um 21 Uhr wortlos San Francisco einläutet. Nicht nur schallt der an Jack Daniels, Cowboyhüte und Zigaretten erinnernde Sound und Max Paul Marias gefühlvolle, rauchige Stimme im Raum, auch die letzten Teilnehmer setzen ihre Gläser ab und wenden sich vollends der Musik zu. Selbstvergessen beginnt der eine oder die andere sich im Takt zu wiegen und einen kleinen, eigenen Tanz aufzuführen, der so wunderbar in die Wohnzimmeratmosphäre und das intime, kleine Konzert des Saals passt wie die gute Laune und die Sehnsucht in San Francisco und der Gänsehaut-Nummer The Nights The Lights. Sobald die Gitarre einsetzt, möchte man am liebsten selbst losziehen, ein Instrument greifen und der Stimme noch viel mehr Raum geben als sie ohnehin schon inne hat, denn es gibt niemanden mehr, der nicht zusammen mit Max Paul Maria unterwegs in die Ferne ist.

Beispiellose musikalische Vielfalt

Die Mischung aus Funk,Folk, Rock und Blues wird zusammen mit einer Kombination aus Halbakustik, Mundharmonika und Solonummern komplettiert und zeigt, dass zwar Max Maria Pauls neues Album großartig ist, ein Liveauftritt diese sogar noch übertrifft und in seiner Einzigartigkeit noch ein Stück darüber hinaus berührt. Wie es in Musik&Frieden öfter der Fall ist, finden an diesem Abend mehrere Konzerte statt, jedoch füllt sich der Raum um Max Paul Maria zunehmend, als heimlich einige andere Gäste angezogen vom Sound hineinschleichen und auf ein Glas Wein, eine Zigarette und vier weitere Songs bleiben.

Die Lieder, die an diesem Abend gespielt wurden, waren  eine ausgewogene und schöne Mischung aus Max Paul Marias neuem Album FIGURES und dem Vorgänger MILES&GALLONS und gingen stimmig ineinander über, ohne je ihre treibende Kraft und die Seele, die ihnen innewohnt, zu verlieren. Max Paul Maria und Band schafften es mit ihrem Auftritt spielend Bilder in die Köpfe des Publikums zu projizieren, sodass man sich schon fast instinktiv zusammen mit den schnelleren, teils punkigeren Nummern wie European Son, Run Robert Run und Sweet Bird Of Youth  im Musik&Frieden und dann wieder unter blassem Mondlicht auf einem Mohnfeld in Pale Moon wiederfinden und gedankenverloren in der frühlingsfrischen Dunkelheit ganz für sich tanzen konnte.

Eines der schönsten Konzerte in diesem Frühjahr

Den Höhepunkt stellte Max Paul Maria schließlich solo und nur begleitet von seiner Gitarre nach dreizehn Songs und einem stimmigen, erstklassigen Auftritt mit seiner Band dar. Alleine performte er Figures und Bittercold Now und bildete damit einen schönen, runden Abschluss. Wer Max Paul Maria am Sonntag verpasst hat, sollte sich – selbst wenn ihm die Musikrichtung zunächst fremd erscheint – ein Konzert nicht entgehen lassen. Im schlimmsten Fall wirkt es ansteckend und man findet sich mit einer frischen FIGURES-Schallplatte unter dem Arm neben Max persönlich wieder.

Artikel von: Nina Zakrew

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