Darkoustic: end of green im PBHFCLUB

end of green Darkoustic in Berlin

Nanu, ist schon wieder Freitag? Gerade erst war doch Samstagabend, und ich bin mit end of green abgetaucht in dunkle Ecken und tiefe Seen. Die Jungs aus Stuttgart nennen ihre aktuelle Tour Darkoustic, also dunkle Akustik, wa?

Auf der Bühne stehen neben Barhockern und den Instrumenten (Schneewittchensarg aus Plexiglas für den Drummer!) auch zwei schön spießige alte Stehlampen, die angeknipst werden, als die Band eintrifft. Und angeknipst wird auch sofort die typische, düster-schöne, schmutzig-verrauchte end of green Stimmung. Ein musikalischer Sog, der dich mitnimmt auf die uralte Reise ins Innere, in Abgründe und Großstadtschluchten, Zwielicht und Vollmondnächte, aber ganz ohne glitzernde Vampire, Kunstblutorgien oder sonstigen Firlefanz, den man gern gleich im Kopf hat, wenn jemand die Musik als gothic beschreibt. Ist sie ja auch nicht, aber so richtig metal ja dann auch nicht. Also vergesst Wikinger, Spandex und lautes Gebrüll. Denkt eher an eine schaurig schöne Grabesstimme, tief wie die Nacht, sanft wie der Mittsommerwind, rau wie die Mauer im Rücken (… oh, das bringt mich zu der interessanten Frage, wie wohl ein end of green Cover von Bowies Helden klänge? Das hätte ich beim nächsten Mal gerne! Danke!).

Es ist so leicht, poetisch zu werden

Vor allem, wenn man sich noch vor dem Konzert im Vorübergehen am Merch-Stand die neue CD schnappt, ein exklusiv auf dieser Tour verkaufter Live-Mitschnitt des Weihnachts-Akustik-Konzerts von 2011, Silent Night. Und die dann seit Sonntag laufend zu Hause hört. Dann hört dieses Feeling nämlich gar nicht mehr auf und man wundert sich am Ende, dass schon fast eine Woche vergangen ist, seit man tatsächlich live gelauscht hat. Aber zurück zum Konzert.

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Alle großen und kleinen Songs, manche davon mit gedrosseltem Tempo, das ihnen eine neue Qualität verleiht, eine neue Facette ans Licht bringt, die im Original verborgen geschlummert hat, insbesondere zu hören bei einem meiner Lieblingshits, Goodnight Insomnia, dessen Darkoustic-Version den Song sofort von rockiger Mitsing-Hymne in nachdenkliches Nachtgedicht verwandelt. Auch Hurter wirkt an diesem Abend noch einmal weit intensiver; wer hätte gedacht, dass das überhaupt geht? (wenn man sich die hier verlinkte Version anhört, muss man sich einfach dreimal soviel Tiefe, 10 Jahre mehr Lebenserfahrung und 27.367 Zigaretten und Whiskeys on top vorstellen, dann kommt’s ungefähr hin).

Außerdem faszinierend: Wie die kleinen bandinternen Unterhaltungen zwischendurch zwar die Zauberstimmung jedes Mal auf absurd-lustige Weise brechen (“Und wer hat den Cheeseburger am Ende gegessen? Unser Vegetarier.” … “Was? Der hat tatsächlich nen Cheeseburger gegessen?”), aber sobald die ersten Töne des nächsten Stücks erklingen, sobald diese wirklich besondere Stimme ertönt, ist man sofort wieder drin in dem Sog, den Bildern, dem Kopfkino, in das diese Songs einen unweigerlich mitnehmen. Übrigens auch die perfekte Inspirationsmusik fürs Schreiben. Sagt die Frau Romanautorin in mir.

Alles weitere auf der Band-Webseite. Geht stöbern!

Claudia is a blue-eyed trapeze artist of the lazy kind. Translatrix. Authoress. PhD. And a bit of a nerd.

Zuständig fürs Deutsche bei indieberlin. Schreiben, Übersetzen, in der Literatur rumtreiben. Und Musik. Viel Musik.

Claudia is a blue-eyed trapeze artist of the lazy kind. Translatrix. Authoress. PhD. And a bit of a nerd. ♫ Zuständig fürs Deutsche bei indieberlin. Schreiben, Übersetzen, in der Literatur rumtreiben. Und Musik. Viel Musik.

2 Comments

  • Reply April 15, 2016

    subcorler69

    Bowies “Helden” gibt es mit dieser Stimme: inoffiziell, uralt, und in recht ramschigem Sound: nichtsdestotrotz unglaublich berührend.

    • Reply April 16, 2016

      Claudia Rapp

      Ha! Das glaube ich sofort. Würde ich auch gern hören, sollte er mal wieder singen, aber da stellt sich ja dann immer die Rechte-Frage. Kennst du übrigens Amanda Palmers Bowie-Tribute? Ich find’s sehr sehr schön: http://amandapalmer.net/strungoutinheaven/

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