Rezension zu Björn Kuhligks GROSSRAUMTAXI

Cover-Bloern-Kuhligk-Grossraumtaxi

Das kleine grüne Buch ist ja jetzt nicht mehr nagelneu, aber man darf es ruhig nochmal empfehlen. Jedem Alt- und Neu-Berliner, jedem, der auf der Durchreise ist, und auch jedem, der lediglich neugierig auf die große bunte verrückte Stadt ist. Warum?

Im Niemandsland alltäglicher Beobachtungen

Weil Björn Kuhligks GROSSRAUMTAXI einen schlichten, detailverliebten, unaufgeregten Blick auf die Stadt bietet. Das geschieht in einer Reihe von Vignetten oder Schnappschüssen, die meisten gerade mal zwei Seiten lang, also auch ideale U-Bahn-Lektüre. Manche der kleinen Geschichten enden einfach so im Niemandsland alltäglicher Beobachtungen, zwischen Kneipe, Geburtstagsfeier, Arztbesuch, Einkaufen gehen und 1. Mai in Kreuzberg. Der Erzähler ist nicht mehr der Jüngste, hat zwei Kinder, die zusehends größer werden, hat eine Menge alter Freunde und Bekannte, mit denen er immer irgendwo beim Bier zu sitzen scheint, und dann vergeht die Zeit.

Berlin ist wie das Chaos, das Kinder so anzurichten pflegen

Man könnte also durchaus sagen, dass es ein nostalgisches Buch ist, in dem einer zuschaut, wie sich alles ändert, vorbeigeht, groß wird. Überhaupt, die Kinder. Sie spielen nicht nur im Leben des Erzählers eine große Rolle und sind die heimlichen Helden vieler seiner Storys, sie sind auch schon fast Metapher. Ich wage mich mal an eine Interpretation: Berliner sind wie Kinder, Berlin ist wie das Chaos, das Kinder so anzurichten pflegen.

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Und diese Texte stehen dem Chaos liebevoll gegenüber. Denn beides, Berlin und die Kinder, ist extrem faszinierend, wenn man aufs Detail schaut, auf die ganz eigene Logik, die sich dem “normalen” Erwachsenen oft nicht erschließt. Man muss sich schon darauf einlassen können, und genau hinschauen … und selbst dann ergibt oft nicht alles einen Sinn, hat aber eine ganz eigene, verrückte Schönheit. Berlin, das ewige wunderbare Schmuddelkind, das drückt dieses Buch für mich aus.

Rezension von Claudia Rapp, Autorin von SUMMER SYMPHONY und ZWEIUNDVIERZIG

Claudia is a blue-eyed trapeze artist of the lazy kind. Translatrix. Authoress. PhD. And a bit of a nerd.

Zuständig fürs Deutsche bei indieberlin. Schreiben, Übersetzen, in der Literatur rumtreiben. Und Musik. Viel Musik.

Claudia is a blue-eyed trapeze artist of the lazy kind. Translatrix. Authoress. PhD. And a bit of a nerd. ♫ Zuständig fürs Deutsche bei indieberlin. Schreiben, Übersetzen, in der Literatur rumtreiben. Und Musik. Viel Musik.

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