Das neue Buch des Musikfanatikers Stefan Gaffory

Stefan-Gaffory

Ich habe ein Problem

Ich bin schnell begeistert von Dingen, die meine Begeisterung verdienen (meist Filme, Bücher, Platten, aber auch besonders schöne Frauen). Und diese Begeisterung drücke ich dann gemeinhin auch aus – explizit, bis zur Unglaubwürdigkeit.
Das hat mir schon häufig mehr oder weniger genervte Kommentare eingebracht, wenn meine absolute Lieblingsplatte ALLER ZEITEN mal wieder wechselt oder eine weitere Dame den Titel »Gottverdammt schönste Frau der Welt« verpasst bekommt.
Ich bin Schriftstellerin. Ich sollte es besser wissen. Besser machen.
Doch so ist das mit der Liebe (und nichts anderes ist meine übergroße Begeisterung) – sie lässt sich schwer bis unmöglich in adäquate Worte fassen.
Jetzt weiß ich, dass ich mit dieser Eigenheit nicht allein bin. (Soviel zur Turini`schen Individualität…)
Stefan Gaffory (alias King Bronkowitz), so scheint es, hat dasselbe Problem. Wie sonst erklärt es sich, dass dieser wahnsinnige Musikfanatiker, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun scheint, als Musik zu hören, Bücher und Magazine über Musik zu lesen und über Musik zu sprechen, derart häufig Superlative verwendet, um die von ihm bevorzugten Stile, Musiker und Platten zu beschreiben? Wie viele Lieblingsbands, -alben und -lieder kann ein einzelner Mensch denn haben? Wie viele Konzerte können die besten aller Zeiten sein?
Ich weiß es nicht, weder bei mir noch bei Gaffory. Wir lieben wohl zu sehr. (Oder sind zu leicht zu beeindrucken. Das mögen andere entscheiden.)

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Manisches Sammeln von Musik

In seinem neuen Buch »Wehe, du schreibst nichts über die Nits«, dessen Vorabversion ich die Ehre habe hier zu besprechen, gewährt uns der Autor des durchgeknallt-sympathischen Romans »Kreisklassenhölle« einen Einblick in sein Leben und Schaffen – und besonders die Musik, die er so manisch sammelt, konsumiert und gekonnt bewertet.
Kolumnen und Kritiken aus dem »Ox-Fanzine« und dem Blog des Autors, ergänzt durch unveröffentlichtes Material, werden durch autobiographische Fakten lose verbunden. Es entsteht ein Bericht über die berühmten neun Leben des King Bronkowitz, die mit der Musik derart eng verwoben sind, dass eine Trennung von vornherein unmöglich scheint. Ein Bericht, der gefällt – hat doch der King einen bunten, manchmal schrägen Geschmack, und so bedingungslos er manche Künstler liebt, so sehr hasst er andere. Gekonnt und bissig seziert er all die musikalischen Szenen, in denen er sich seit seiner Jugend herumgetrieben hat und reiht Anekdote an Anekdote. Das ist zugegebenermaßen bisweilen etwas zäh, wenn es um Konzertberichte völlig unbekannter Bands geht, aber meistenteils erzählt Gaffory locker und unterhaltsam. Was er sich hätte sparen können, sind die zahlreichen »Anmerkungen des Autors«: Da es sich um eine Sammlung bereits existierender und teils auch bereits veröffentlichter Texte handelt, die Gaffory überarbeitet und besser lesbar gemacht hat, hielt er es für notwendig, an einigen Stellen Kürzungen oder Umstellungen zu erklären. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden, doch ich hätte das nicht gebraucht, empfand es stellenweise sogar als störend.
Trotzdem lernt man viel von King Bronkowitz: Musik ist Leben – nicht nur das des King, der über ein fast schon unheimliches Repertoire an Geschichten zu fast schon unheimlich vielen verschiedenen Genres verfügt.

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Ein Experiment

Der Mainzer Gonzo-Verlag hat sich für die Veröffentlichung dieses Buches zu einem Experiment entschlossen:
Gedruckt wird das Buch erst, sobald 150 verbindliche Vorbestellungen beim Verlag vorliegen. Natürlich wird erst bezahlt, wenn auch wirklich gedruckt wird. Für eine verbindliche Vorbestellung genügt eine Mail an gonzo@gonzoverlag.de, Betreff »Vorbestellung Nits«. Als Dankeschön erhalten die Vorbesteller das Werk für € 10,00 statt der regulären € 12,95.
Lasst das Buch zur Welt kommen, bestellt vor, jetzt!

Disclaimer

Nach der Lektüre des Buches will ich nun am liebsten sofort zum Plattenladen meines Vertrauens rennen und mich in Schulden stürzen, um all die Machwerke zu erstehen, die Gaffory so frenetisch feiert. Zum Glück kann ich mich entspannt zurücklehnen, habe ich doch vollen Zugriff auf die Sammlung des Wahnsinnigen. Und damit kommen wir auch schon zum Disclaimer: Gaffory und ich sind seit einiger Zeit liiert; manch einer darf mich nun parteiisch schimpfen und diese Rezension nicht weiter ernst nehmen. Doch Beziehung hin oder her – ich bin kein Fangirl, ich bete nicht jeden Mist an, den er macht, und ich bin nicht bereit, schlechte Literatur zu akzeptieren. Das Buch ist nicht perfekt – welches Buch ist das schon – aber es ist unterhaltsam, voller interessanter Fakten und ungewöhnlicher Ideen und den Kauf auf jeden Fall wert.

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Claudia is a blue-eyed trapeze artist of the lazy kind. Translatrix. Authoress. PhD. And a bit of a nerd.

Zuständig fürs Deutsche bei indieberlin. Schreiben, Übersetzen, in der Literatur rumtreiben. Und Musik. Viel Musik.

Claudia is a blue-eyed trapeze artist of the lazy kind. Translatrix. Authoress. PhD. And a bit of a nerd. ♫ Zuständig fürs Deutsche bei indieberlin. Schreiben, Übersetzen, in der Literatur rumtreiben. Und Musik. Viel Musik.

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