Laurie Penny war in Berlin

Laurie Penny by Jon Cartwright-cropped

Erst vor wenigen Wochen habe ich mit einigen sehr persönlichen Gedanken über den Auftritt der britischen Feministin, Journalistin und Schriftstellerin Laurie Penny im HAU geschrieben. Nun ist die – verzeiht den plakativen Ausdruck, aber er passt – elfengleiche Emanze erneut in Berlin aufgetreten, um im Palais der Kulturbrauerei ein weiteres Mal aus ihrem neuen Buch Babys machen zu lesen. Und sie hat sich auch erneut auf ein Gespräch über Popkultur und Science Fiction, über das Schreiben, über Roboter und Schwangerschaftsarbeit, Feminismus und Marxismus eingelassen. Pennys unermüdlicher deutscher Verlag edition Nautilus und die Macher des Festivals Literatur:Berlin haben die eloquente Autorin eingeladen.

Neue HeldInnen, neue Geschichten

Außerdem war Laurie Penny als Speaker auf der gleichzeitig stattfindenden re:publica, wo sie über ganz ähnliche Dinge gesprochen hat. Bei ihrem Vortrag „Change the Story, Change the World“ ging es um Geschichten, und darum wie sie sich verändern, wie Fanfiction sie verändert. Wenn Kirk und Spock schwul sein können, wenn Hermione aus Harry Potter plötzlich schwarz ist (oder es mit ihren wilden Locken vielleicht schon immer war?), wenn endlich auch all jene zu Helden einer Geschichte werden könne, die in traditionellen Plots nur schmückendes Beiwerk waren oder niemals vorkamen, dann hat sich einiges getan in der Welt der Bücher, Filme und Serien.

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Popkultur und marxistischer Feminismus

Während der re:publica-Auftritt also einen sehr optimistischen Ton trug („Geschichten sind Fenster, die Welten zeigen, die man sich sonst gar nicht vorstellen könnte“), bot die Lesung in der Kulturbrauerei eher das gewohnte Bild gemischter Gefühle. Diesmal hat Laurie Penny aus ihrer Geschichte „The Killing Jar“ vorgelesen, in der der Serienmörder zum Künstler geworden ist und vom „Markt“ ebenso hofiert und ausgebeutet wird wie alle anderen. Man kann ihre Storys als Dystopien bezeichnen, aber es steckt auch eine Menge Stärke, Hoffnung, Ironie und vielleicht sogar Utopie darin. Wenn das titelgebende „Babys machen“ etwa ohne Schwangerschaftsübelkeit, Wehen und Wochenbettdepression auskommt, weil es schlichtweg aus dem Körper der Frau ausgelagert wird, dann mögen das einige monströs finden, andere atmen bei dieser Vorstellung aber womöglich erleichtert auf.

Überhaupt, Kinder kriegen: Nicht nur das Großziehen sollte als echte, bezahlungswürdige Arbeit gesehen werden, auch das Bekommen selbst ist „Reproduktionsarbeit“. Im Englischen heißen die Wehen nicht umsonst „labor“, also „Arbeit.“ Neben solchen explosiven Gedanken ging es an diesem Abend aber vor allem um die Geschichten, mit denen wir aufgewachsen sind, und um jene, die uns heute umgeben, und die immer mehr Vielfalt zulassen und damit auch den Menschen eine Identifikationsfläche bieten, die lange außen vor geblieben sind. Frauen, Queers, Nicht-Weiße. Laurie Penny ist bekennender Serienjunkie, und neben „Buffy“ und „Girls“ ging es auch um „Game of Thrones.“ Penny dazu: Die Serie bildet ab, was es bedeutet, im 21. Jahrhundert zu leben. Der Zuschauer empfindet Erleichterung, dass auf dem Bildschirm die gleiche absolute Willkür herrscht, der er sich selbst alltäglich ausgesetzt sieht.

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Darüber kann man doch mal nachdenken.

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