Refueat – Syrisches Street Food in Berlin

Yousef an seinem Stand am Hermannplatz

Yousef bereitet authentisches Street Food aus seiner Heimat zu.

Yousef ist dreizehn, als ihm sein Lehrer vor versammelter Klasse eine scheuert. Aufgebracht rennt er nach Hause und erklärt, dass er nie wieder in die Schule geht. Die Eltern versuchen ihn umzustimmen, doch der Junge bleibt stur. Also wird er eben arbeiten. An diesem Tag beginnt Yousef das Handwerk im väterlichen Betrieb zu erlernen, eine der besten und angesehensten Bäckereien in Idlib.

Seitdem sind Jahre vergangen. Heute steht Yousef am Hermannplatz und bereitet vor den Augen der Kunden arabisches Street Food zu. Idlib wird von den Bürgerkriegsparteien hart umkämpft. Immer wieder fallen Bomben auf die Stadt, während Diplomaten streiten, wer für das Leid der Zivilbevölkerung verantwortlich ist. Doch Yousef interessiert in erster Linie, wie es seinen Verwandten geht. Die schlimmsten Tage sind für ihn die, an denen es mit der telefonischen Verbindung nicht klappt…

Engagement durch Teilhabe

Frische Zutaten am Refueat Stand

Mit ausgewählten Zutaten wird das Street Food leicht an den deutschen Geschmack angepasst.

Ohne die Flüchtinge wäre Refueat nicht das, was es heute ist, betont Initiator Aymann, Deutscher mit syrischen Wurzeln. Deshalb hat er Yousef zum Teilhaber gemacht. Der genossenschaftliche Gedanke motiviert, darum will Aymann das auch in Zukunft weiter so handhaben.

Als der Flüchtlingsstrom beginnt, überlegt Aymann, wie er helfen kann. Er versucht kulturelle Missverständnisse mit einem „Wohn-Diplom“ aus dem Weg zu räumen. Denn in Syrien beginnt Putzen oft damit, dass man einen Eimer Wasser über den Boden gießt. Und auch Heizen und Lüften erfordert bei der hiesigen Bauweise ganz andere Maßnahmen. Vom Miteinander innerhalb der Hausgemeinschaft mal ganz abgesehen.

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Bürokratie in Deutschland

Die deutschen Behörden zeigen sich interessiert. Doch bis etwas passiert, vergehen Monate. So sattelt Aymann um. Street Food Trucks machen gerade auf allen Märkten Berlins guten Umsatz. Und die syrische Variante ist noch kaum vertreten. Doch es gibt neue Hindernisse. Der syrische Führerschein wird hierzulande nicht akzeptiert. Deshalb entwickelt Aymann gemeinsam mit seinem Partner Constantin, einem Unternehmensberater im Ruhestand, das Konzept von Refueat. Sie setzen auf Lastenfahrräder mit montierter Garküche. Schon der zweite Prototyp erfüllt alle hygienischen, kühltechnischen und logistischen Anforderungen.

Essen als kulturelle Brücke

Merguez Würstchen mit Sesamsauce und Granatapfelkernen.

Der Arabic Hotdog® wurde von dem Refueat-Team selbst kreiert und genießt sogar Markenschutz.

Refueat bietet damit Flüchtlingen selbstbestimmte Arbeitsplätze mit geringen laufenden Kosten. Und weil dafür weder Führerschein, noch Benzin nötig sind, ist das Ganze auch noch nachhaltig und umweltfreundlich. Die syrischen Sandwiches mit Hähnchen, Kartoffeln oder Halloumi kommen bei den Kunden sehr gut an, der Hit ist jedoch der Arabic Hotdog®, der aus Merguez, Spezialsauce und Granatapfelkernen besteht.

Andere Städte folgen

In einigen Jahren sieht Aymann eine Flotte von zahlreichen Foodbikes über ganz Berlin verteilt, genossenschaftlich organisiert. Andere Großstädte sollen folgen. Die beiden haben bereits neue Ideen, die mit dem dritten Lastenfahrrad umgesetzt werden, doch davon wollen sie jetzt noch nicht zu viel verraten. Aber keine Sorge, wenn es soweit ist, werden wir selbstverständlich davon berichten.

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Text: Holger Badura

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