Sklaven der Gema! Unite! Guest Post by Petr Pandula of Magnetic Music

Guest Post von Petr Pandula, magnetic-music.com

Sehr geehrte Leser, 

hier meine Meinung über die GEMA, mit der ich als Kulturschaffender auf Grund von gesetzlichen Grundlagen zu einer Koexistenz verdammt bin. Vorweg möchte ich betonen: Geistiges Eigentum muß geschützt werden und Dritte, die dieses nutzen, sollen selbstverständlich dafür auch eine Lizenz bezahlen. Ich bin mit der GEMA und anderen Verwertungsgesellschaften auf mehreren Ebenen zu einer Zwangsgemeinschaft verdammt und habe mir daher gut 30 Jahre lang aus verschiedenen Perspektiven eine Meinung bilden können. Einmal als Komponist und Arrangeur, der vieles geschaffen hat und daher auch der GEMA beigetreten ist. Leider aber für das, was meine Veranstalter für meine Konzerte bezahlt haben, fast nichts erhalten hat. Dann als Verleger, der viele Werke in Verlag genommen, bei Funk und TV eingepflegt, live auf Tour geschickt, natürlich der GEMA gemeldet hat, aber auch dafür fast nichts ausbezahlt bekam. Dann als Boss einer Plattenfirma, die mechanische Lizenzen zahlen muß und last but not least als örtlicher Konzertveranstalter, der eine GEMA Abgabe für eine öffentliche Aufführung leisten muß. Ich stand und stehe sowohl auf der Seite der Empfänger als auch der Einzahlenden und ich sehe das klare Mißverhältnis.

Damit ein fairer Ausgleich stattfinden kann, bedarf es eines Transmissionsriemens zwischen den kreativen Machern und den Verwertern ihres geistigen Eigentums. Zwar bezeichnet sich unsere Gesellschaftsform als eine freie Marktwirtschaft, doch paradoxer Weise hat der Gesetzgeber der GEMA die Monopolstellung eingeräumt dieser Transmissionsriemen zu sein. Leider ist die GEMA aber inzwischen degeneriert und mißbraucht ihre Monopolstellung. Sie wird ihrer vertrauenswürdigen Aufgabe nicht gerecht, einen gerechten Ausgleich zu schaffen, sondern betreibt immer mehr Ziele ihrer eigenen Gewinnmaximierung. Zudem hat sich ein unsäglicher Filz zwischen der GEMA und einigen marktführenden Verlagen und den bei Ihnen unter Vertrag stehenden Komponisten entwickelt. Die Marktführer haben die GEMA dazu instrumentiert, eine Umverteilung der Einnahmen von unten nach oben vorzunehmen. Z.B. die Kleinkunst schafft ein riesiges GEMA Aufkommen, wird aber durch das PRO Verfahren von der Verteilung weitgehendst ausgenommen und der Überschuß wird den großen Verlagen und ihren Künstlern zugeführt. Die Kleinkünstler wie auch ihre Veranstalter werden wie Sklaven von der GEMA ausgebeutet.

Das Perfide an der GEMA ist, daß sie vorgibt, im Sinne der Künstler zu agieren. Letztendlich treibt sie nur die Kosten von Konzerten und damit die Eintrittspreise in die Höhe. Direkte Folge davon sind immer weniger Konzerte und damit vernichtet GEMA Arbeitsplätze der Künstler. Das Geld, das sie bei Veranstaltern kassiert, kommt im seltensten Falle auch bei den Künstlern an. Alleine bei der durch Magnetic Music organisierten Tournee des Irish Folk Festivals werden bei 28 Konzerten im Schnitt 800 Euro pro Konzert an die GEMA abgeführt. Das sind 22.400 Euro für eine Tour! Die Tournee findet seit 37 Jahren statt. Wo sind denn bitte die ca. 800.000 Euro bzw. damals noch DM geblieben? Wir haben von keinem unserer irischen Freunde gehört, dass bei ihnen auf dem Konto eine Zahlung für die Live-Aufführung aus D eingetroffen wäre. Als ein kleiner Verlag, der etliche bei der Tournee gespielten Stücke verlegt und der GEMA gemeldet hat, bekommen wir bei Magnetic Music gerade um die 150 Euro pro Jahr für diese Tour, was nicht einmal den Arbeitsaufwand deckt, der mit der Inverlagnahme und Meldung anfällt. Es ist also ein Verlust, unsere Aufgabe als Verlag auszuüben und das geistige Eigentum zu schützen und zu pflegen. Ich bin selber vor Jahren unangemeldet im Hauptquartier der IMRO in Dublin aufgetaucht und habe sie mit all meinen Meldungen bei der GEMA konfrontiert und wollte wissen, ob Geld aus Deutschland gekommen ist. Nein. Es kam nicht, sagte die IMRO nach Durchsicht der Unterlagen. Wobei ich mir auch nicht sicher bin, ob die irische IMRO erhaltene Gelder nicht lieber so lange behält, bis sich selber ein Komponist meldet und seinen Anteil verlangt. Und wenn sich eben niemand meldet, dann wird es als Bonus unter den großen Verlagen und deren Klienten abzüglich Bearbeitungsgebühr verteilt. Man sollte eigentlich die GEMA auf Unterschlagung von 800.000 Euro verklagen.

Die GEMA mutet sich wie eine aus dem Ruder gelaufene Polizeieinheit an, die bei kleinen und großen Kaufleuten Schutzgelder eintreibt, diese aber nicht abführt bzw. nur an die einflußreichen Paten abzüglich Bearbeitungsgebühr weiter leitet.

Ich bin der Meinung, daß es in Bezug auf die GEMA nicht nur jetzt um einen Kampf um paar Prozente mehr oder weniger gehen sollte. Es geht um einen grundsätzlichen Kampf, ob die GEMA überhaupt noch angesichts der Fakten einen moralischen und rechtlichen Anspruch auf die Vertretung von Urhebern erheben darf. Juristisch wird es sehr schwierig sein, der GEMA beizukommen. Aber immerhin kann man durch eine sehr gute Informationspolitik, indem man ganz konkret Mißstände bei der GEMA regelmäßig an die Medien weiter gibt und diese an den Pranger stellt, die GEMA allmählich in die Defensive drängen. Man muß der GEMA nach und nach die moralische Daseinsberechtigung entziehen und damit in die Defensive zwingen. Dann wird sie auch vorsichtiger werden, immer mehr vom Kuchen haben zu wollen. War es denn nicht auch bei dem Kampf des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft ( abgekürzt IDKV ) gegen die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung nicht auch so? Wurde nicht der Jäger zum Gejagten?

Zunächst standen viele von uns vermittelnden Agenten vor dem Richter und wurden angeklagt “illegale Arbeitsvermittlung” zu betreiben. Viele Kollegen standen mit einem Bein im Gefängnis, weil sie Verträge zwischen Veranstaltern und Künstlern angebahnt hatten. Also eine illegale Arbeitsvermittlung angeblich betrieben hatten, weil die BfA diese für sich in Anspruch genommen hatte. Als nach einer Reihe von erfolgreichen Prozessen das gesetzliche Monopol der BfA aufgehoben wurde, änderte sich die Situation schlagartig zum Besseren. Das sollte für uns Kulturschaffende ein aufmunterndes Beispiel sein, die GEMA gemeinsam zu bekämpfen.

Einmal juristisch und parallel dazu auch durch gezielte Informationsarbeit, die der GEMA bei der Bevölkerung die moralische Existenzgrundlage entzieht. Natürlich bedeutet dieser Kampf nicht, daß wir geistiges Eigentum ohne Gebühren nützen wollen. Das wird uns die GEMA bei ihrer Gegenoffensive vorwerfen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen dass geistiges Eigentum geschützt wird und die Künstler endlich das bekommen, was sie geschaffen haben.

Aktuell plant die GEMA
a.. bei Veranstaltungen bis zu 3.000 Personen eine Tariferhöhung um 2,4%,
b.. bei Veranstaltungen bis zu 15.000 Personen eine Tariferhöhung bereits in Höhe von sage und schreibe 28%
c.. und bei Veranstaltungen über 15.000 Personen eine Tariferhöhung in Höhe von immerhin 11,5%.

Doch die GEMA will weitaus mehr. Erklärtes Ziel ist ein statischer Einheitssatz von 10% im Jahre 2014. Ziel der GEMA und ihres Aufsichtsrates ist es mithin, die derzeit geltenden Effektivsätze innerhalb von 5 Jahren sukzessiv um das bis zu 5,3fache bzw. um bis zu über 400% zu erhöhen. Und das läßt die festgeschriebene Erweiterung der Bemessungsgrundlage noch völlig außer Betracht. In ihrer grenzenlosen Gier plant die GEMA jetzt sogar eine Abgabe auf Kultursponsoring!

Eine derartige Tariferhöhung dürfte den Tatbestand des Wuchers erfüllen. Und genau das dürfte dazu führen, dass das Tariferhöhungsverlangen der GEMA schlicht unwirksam da wucherisch ist. Angesichts der Bedeutsamkeit der Angelegenheit werden der IDKV und der VdKD (Verband dt. Konzertdirektionen ) das weitere Vorgehen in der Sache unverzüglich eng miteinander abstimmen.

Ich würde es begrüßen, wenn der IDKV und VdKD eine Klage mit dieser Begründung gegen die GEMA anstrengen würden. Man kann übrigens nicht dem Verband genügend danken für seine großartige Rolle, die er damals im Kampf gegen die BfA geleistet hat.

Eine Erhöhung der GEMA bedeutet im Klartext, daß die Kosten des örtlichen Veranstalters steigen, weil er diese Abgabe leisten muß. Jede sorgfältige kaufmännische Kalkulation hat zu Folge, daß auch ein Künstler oder seine vermittelnde Agentur den erhöhten Kosten des örtlichen Veranstalters Rechnung tragen müssen und damit auch weniger von den 100 Prozent der netto Kasseneinnahmen bekommen können. Bzw. bei einem Break immer später partizipieren werden. Also ist eine Erhöhung der GEMA auch ein Schlag gegen die Künstler, obwohl die GEMA immer vorgibt, die Interessen der Künstler wahrzunehmen.

Ich habe meinen Grafiker einen Protestbutton kreieren lassen, den ich ab sofort auf unseren Tourneeplakaten verwenden werde. Auch auf unserer Website und bei unserer Medienarbeit. Ich stelle hiermit den Protestbutton allen anderen Kulturschaffenden zur Verfügung. Wir als Künstler und Veranstalter sind Sklaven der GEMA und es ist an der Zeit, die Ketten zu brechen und der Ausbeutung ein Ende zu bereiten.

Für diejenigen, die mehr über die Frefel der GEMA erfahren und eine Petition an den deutschen Bundestag gegen die Praktiken der GEMA unterschreiben wollen, verweise ich auf folgende Website:
http://www.kult-werk.de/

Mit kämpferischen Grüßen

Petr Pandula

06.03.2009

 

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