indieberlin verliebt in “gut gg ok” – checkt hier unser Interview mit der Künstlerin über fotorealistische Textil-Kunst und das “independent Berlin”

indieberlinGenähte Bilder – man denkt erst mal an Omas Stickkissen – was du machst ist aber absolut modern und einzigartig, fotorealistisch genähte Bilder. Hut ab – aber wie bist du drauf gekommen und wie funktioniert’s?

gut gg ok: vor sieben jahren begann ich aus baumwollstoffen bilder zu erstellen. am anfang war das bild der kuh alma. die einfachheit der vier farben aus denen das motiv im wesentlichen besteht, nämlich schwarz und weiss, hell- und dunkelgrün, erschienen mir machbar, um daraus ein bild aus stoff zu nähen. ich fing an das bild der kuh wie im scherenschnitt zu zerlegen und dann die teile zu applizieren, stofflage auf stofflage. nachdem das erste bild fertig war, begann ich dann die vier farben so oft wie möglich zu variieren und es entstand ein großes bild aus 24 einzelbildern. und aus diesem bild wurde die serie alma, das war der beginn einer technik, die sich bis heute entwickelt. 

indieberlin: Wie lange dauert es, bis ein Bild fertig ist? Wie viel Faden vernähst du ca. pro Bild?

gut gg ok: die zeit bis zur fertigstellung eines bildes hängt von der größe des bildes und der motivauswahl ab. anfänglich erschienen mir 4 stunden arbeit an einem bild schon sehr viel zeit, mittlerweile sind es nicht mehr die stunden oder tage, sondern die monate, die ich zählen kann. das letzte bild, dass ich fertig gestellt habe, ist „gerald“, und dafür brauchte ich ein gutes halbes jahr. alleine mit den haaren am kinderkopf war ich über sechs wochen beschäftigt und darin sind mehr als 10.000 meter nähseide vernäht.

indieberlin: Erzähl uns doch kurz, wer Jörg und Dirk sind und wo wir die beiden mal sehen können?

gut gg ok: bei jörg&dirk wusste ich von anfang an, dass ich das bild auf irgendeine art freistellen möchte. nach einigen hin und her, entschloss ich mich, jörg&dirk einzeln zu verstürzen, mit pappe zu verstärken und sie auf holzständer zu stellen. damit wurden sie frei aufstellbar, transportierbar und es entstand die idee, sie zu eigenständige personen werden zu lassen. sie wandern aus meiner werkstatt hinaus, fahren mit der s-bahn und kommen an plätzen die ich mag an. ich halte alles mit meiner kamera fest und stelle die ergebnisse wieder auf youtube oder auf die eigens für jörg&dirk gemachte facebookseite (www.facebook.com/joergunddirk )in zukunft will ich sie gerne auf veranstaltungen, partys oder in einem interview als öffentliche personen sehen und dokumentieren. einladungen sind willkommen.

ibndieberlin gut gg ok…ok….. Was hat das zu bedeuten?

gut gg ok: gut gg ok (gut d?i? d?i? ok) ist ein labelname. er steht für meine arbeit. einfach, positiv, unverwechselbar, eigenständig, kurzum: meins! 

indieberlin: Du kommst nicht aus Berlin – was hat dich hierher gezogen und was ist an Berlin für dich als Künstlerin einzigartig?

gut gg ok: ich bin in kärnten aufgewachsen und nach dem abitur an einer modeschule nach wien gezogen, wo ich vier jahre lang lebte und als stylistin, ausstatterin und photoassistentin für film und werbung arbeitete. in dieser zeit habe ich einiges von berlin gehört und die stadt reizte mich, also zog ich mit zwei taschen und meiner nähmaschine vor elf jahren hier her. von anfang an war ich fasziniert von der vielfältigkeit, ehrlichkeit und freiheit in dieser stadt.

indieberlin: Würdest Du dich als indiependent Künstlerin bezeichnen und was genau bedeutet das für dich?

gut gg ok: vielleicht kann man das so nennen, independent, denn ich komme von keiner kunsthochschule und sehe mich in keiner tradition und so weiter. aber ob ich mich so bezeichne: nein, ich will mich nicht bezeichnen, ich mach nur meins.

indieberlin: Siehst du dich mehr im Kunst- oder im Fashionbereich? Woher kommt die Inspiration?

gut gg ok: weder noch. vielleicht so: für mich ist kunst kunst. egal mit welchen mitteln oder materialien man das umsetzt. kunst wird zur kunst wenn das publikum es als solches gefunden hat. ich arbeite für mich und suche mir die motive immer aus meinem privaten bereich aus, bearbeite diese und setzte sie so um, wie ich es mir vorstelle. die ganze arbeit kommt aus mir heraus, wird von mir entwickelt und ausgeführt. für mich gibt es kein vorbild und auch keinen vergleich.  ich kann ein „warum“ kaum erklären, aber ich glaube wenn ich erzähle, dass ich süchtig danach bin,kann man es vielleicht am besten begreifen. 


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