Interview mit der Burlesque Performerin Bettie Redcherry
1. Wie bist du zur Burlesque gekommen? Vor 3 Jahren hab ich eine Ausbildung absolviert (Projekt und Musik Management) und als Abschlussarbeit musste ich ein Event „organisieren“ und ganz spontan fiel mir eine Burlesque Party ein. Ich war schon lange fasziniert davon und Betty Page eine Ikone für mich. Ich habe damals viel gelesen, Fotos angeguckt und im Netz habe ich ganz zufällig über Schönheitstanz Studio gelesen und Burlesque Kurse von Lady Lou. Eine Freundin meinte, das wäre was für mich gewesen und ich hätte es versuchen sollen. Ich hab einfach mit den Kursen angefangen und es war die beste Idee, die ich je gehabt habe.
2. Was macht deiner Meinung nach das Besondere an Berlins Burlesque Szene aus? Berlin ist schon die perfekte Stadt für Kunst, sie inspiriert und das ist nichts neues. Das Besondere an der Burlesque Szene ist für mich die Internationalität! Und die Leute sind alle unglaublich nett und man fühlt sich wohl.
3. Du bist Italienerin und in Italien gibt es eine große Burlesque Szene – was ist der Unterschied zu Berlin? Wie schon oben gesagt. In Italien ist die Szene mittlerweile groß geworden und auch gut aber ist mehr „national“. Ansonsten hat man gute Performerinnen genauso wie Berlin. Das typische italienische Temperament hilft natürlich viel.
4. Burlesque ist eine „independent art form“. Was bedeutet das für Dich? Indipendent für mich im Sinne von „kreativ“, „frei“,weil alles erlaubt ist. Deine Geschichte erschaffst du selbst ohne Regeln und Drehbuch von dritten.
5. Ist Burlesque für Dich Mode, Musik, Style, Theater oder Comedy? Wie spielen die Elemente für Dich ineinander? Burlesque ist für mich Musik, Tanz, Comedy, Theater, Style, Sensualität und leider auch Mode (ich meine damit, dass viele momentan improvisieren weil burlesque total ANGESAGT ist und das finde ich ein bisschen schade).wenn die Kombination zwischen diesen Elementen gut klappt, wird eine Show bestimmt toll. Nur tanzen zu können bringt z.B.nichts wenn der Rest fehlt und so weiter.
6. Wie bereitest Du Dich auf einen Auftritt vor? Bei mir geht es ziemlich schnell mit der Musik : ein Song inspiriert eine Geschichte und die Coreographie dazu. Ich probiere es ein paar Male und im allgemein ist das Gröbste sofort fertig. Das schwierigste (wo ich auch viel Zeit brauche) ist das Kostüm. Erstmal weil mir immer die Zeit fehlt (mit vollzeit Job und viel unterwegs) zweistens weil ich nicht so gut im Nähen bin. In die letzten Zeiten hab ich mir immer das Kostüm anfertigen lassen.
7. Geschieht Burlesque auch in Deinem Alltagsleben? Leider nicht mehr. Ich muss ehrlich sagen, momentan mache ich eine Pause, weil ich mit der Arbeit viel beschäftigt bin. Ich schaffe es leider nicht mehr so oft, an Events teilzunehmen. Letztes Jahr hatte ich viele Auftritte und viel Spaß. Ich wollte Burlesque als Hobby haben aber klappt es nicht wirklich, weil hinter jeder Show echt viel Arbeit steckt. Aber wer weiß, irgendwann wird es vielleicht besser. Meine Karriere ist mir wichtig und ich musste diese Entscheidung treffen.
8. Was ist Deine Vision für Burlesque / für Dich als Burlesque-Performerin? Burlesque bringt einem bei, seinen Körper zu lieben. Das hat mein Leben verändert und das werde ich nie vergessen. Ich hatte meine Formen immer gehasst und nie hätte ich gedacht, dass ich auf die Bühne im Mittelpunkt stehe mit ja, mir und meinem Körper.
Burlesque ist die Kunst der Weiblichkeit.


